Zur Weihnachtszeit erklingt es überall in Österreich (und natürlich auch am Wiener Rathausplatz). Es gibt eine eigene Gesellschaft, die sich mit der Forschung rund um dieses Lied auseinandersetzt. Und die UNESCO hat es zum Immateriellen Kulturerbe Österreichs ernannt. „Stille Nacht, heilige Nacht“ bewegt etwas in den Menschen. Doch woher kommen der Text und die Melodie eigentlich?

Da kommt es her
Joseph Mohr, der als Hilfspfarrer arbeitete, schrieb den Text 1816 in Mariapfarr im Lungau. Das weiß man vom einzigen Liedtext, der tatsächlich von Mohr geschrieben wurde. Darin steht nämlich „Text von Joseph Mohr mpia Coadjutor 1816“. Das Autograph entstand vor 1830 und seine Untersuchung legt nahe, dass sich die Datierung „1816“ auf den Zeitpunkt der Abfassung des Textes bezieht.

Erst zwei Jahre später, also 1818, wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ aufgeführt. Joseph Mohr war nach Obersdorf übersiedelt und arbeitete nun in der neu errichteten Pfarre St. Nicola als Hilfspfarrer. Die Stimmung war angespannt. Die Napoleonischen Kriege waren gerade zu Ende gegangen. Oberndorf wurde geteilt, ein Teil gehörte jetzt zu Salzburg, der andere zu Bayern. Der Wohlstand des Dorfes stand auf dem Spiel. Kein Wunder, dass man sich da ein bisschen Stille und Liebe wünschte. Doch es fehlt ja noch die Melodie zum Gedicht. Die wurde 1818 vom Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber geliefert. Am Heiligen Abend wurde das Lied dann das erste Mal zur Christmette gesungen und kam bei der Bevölkerung gut an.

Joseph Mohr Briefmarke

Die Stille-Nacht-Briefmarke 2016 wurde von Günrther Oberngruber nach einem Foto von Manfred Moser gestaltet.

Verbreitung in alle Welt
Nach der ersten erfolgreichen Aufführung, verbreitete sich der Liedtext von Ort zu Ort immer weiter. Viele andere Menschen – Lehrer, Pfarrer oder Choralisten – schrieben Versionen des Gedichts auf. Deshalb konnte lange nicht geklärt werden, wer denn der Autor des Texts eigentlich ist.
1866 erreichte „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf jeden Fall einen Durchbruch als Kirchenlied – es wurde in Salzburg in ein „offizielles“ Kirchenliederbuch aufgenommen. Von dort aus bahnte es sich über das Zillertal seinen Weg ins restliche Europa bis nach Amerika. Heute gibt es den Text in über 130 Sprachen.

Eine Sensation – Ältester Druck gefunden
Als kleine Sensation wurde im November 2016 der Fund eines bis dahin unbekannten Drucks von Stille Nacht gehandelt.

Es war von Joseph Greis in Steyr gedruckt worden – ohne Datum. Jetzt kommt die Detektivarbeit: Von welchem Datum könnte denn dieser Druck sein? Greis war zu Beginn des 19. Jahrhunderts Setzer in einer Steyrer Buchdruckerei und ab 1827 Inhaber der ersten Buchhandlung dort. Der gedruckte Text weist alle sechs Strophen in der gleichen Reihenfolge wie Mohrs selbstgeschriebenes Original. Deshalb vermutet man, dass das Flugblatt wahrscheinlich zeitlich nah zur Entstehung des Gedichts 1816 gedruckt wurde. Somit wäre der Druck von Greis der älteste, den wir kennen!

Quellen:
www.stillenacht.at
orf.at

Der Druck von

Der Druck von „Stille Nacht“ von Joseph Greis.