Seit dem 31. Dezember 1990 kann sich Wien jedes Jahr über den Silvesterpfad freuen. Insgesamt feiern mittlerweile über 600.000 Menschen hier. Und das bei nur 1,84 Millionen Einwohnern in Wien – das ist ein Drittel der Bevölkerung, welches da gemeinsam feiert, lacht und tanzt! Mit diesen beeindruckenden Zahlen gilt der Silvesterpfad als eines der größten Neujahrsevents in ganz Europa.
In den ersten Jahren führte der Silvesterpfad von Am Hof zu Judenplatz über Neuer und Hoher Markt, Lugeck, zum Bermuda-Dreieck und vor die Oper.

Der Silvesterpfad aus dem Jahr 1993.

Der Silvesterpfad aus dem Jahr 1993.

Das Programm aus 1993 ist dem heutigen gar nicht so unähnlich. Gute Musik wollte man vor zwanzig Jahren auch schon hören. Deshalb gab es (Zitat aus einer Presseaussendung) „heiße Sambarhythmen“ Am Hof, Karaoke beim Bermudadreick und eine Disco am Hohen Markt.
Eine Filmleinwand, wo alte österreichische Filme gezeigt wurden, gibt es heute zwar nicht mehr, dafür freuen sich Familien 2016 über ein eigenes Angebot nur für Kinder auf der Freyung.
Eine Tradition, die es bis heute gibt, ist die Live-Übertragung der „Die Fledermaus“ aus der Staatsoper. Daran fanden bereits 1993 die Besucher Gefallen.
Heute ist der Silvesterpfad um einige Standorte gewachsen: Es gibt ihn auf der Freyung, Am Hof, am Wiener Rathausplatz, am Graben, Stephansplatz, auf der Kärntner Straße, Neuer Markt, bei der Oper, beim Haus der Musik und beim Prater. Außerhalb der Innenstadt, aber mit genauso viel Programm, ist dann noch der Standort Seestadt Aspern.

Der Silvesterpfad 2016, ohne den Standort Prater und Seestadt Aspern.

Der Silvesterpfad 2016, ohne die Standorte Prater und Seestadt Aspern (die sind im Beitragsbild oben zu sehen).

Silvesterpfade mit Leitmotiv
Normalerweise ist ja das Thema des Pfades ganz einfach das Feiern ins neue Jahr. Aber zu ganz besonderen Anlässen gab es Ergänzungen zum Programm.

Als Österreich mit 1. Jänner 1995 der EU beitrat, gab es in der Silvesternacht 1994 blauen Sekt zu kaufen. Ein paar Gastronomen und ein Sekthersteller hatten sich den Gag ausgedacht und nannten ihren blauen Sekt „Europe blue“.
Als vier Jahre später dann der Euro eingeführt wurde, verteilte man bunte Hüte mit dem Eurozeichen.

Dann kam 1999 und mit ihm die Angst um Y2K. 1999 fürchtete man, dass die Computer nicht mit dem Sprung vom ersten ins zweite Jahrtausend (also von 1XXX zu 2XXX) umgehen könnten. Was, wenn alle Computer einfach verrücktspielen und sich dann abdrehen würden? Die Angst vor technischen Gebrechen war so groß, dass für einen möglichen Stromausfall Notstromaggregate auf dem Silvesterpfad aufgestellt wurden. Es wurde ein eigenes Y2K-Hilfscenter eingerichtet. Und sogar die U-Bahnen blieben um Mitternacht für einige Minuten in den Stationen stehen, um für alle Fälle sicher zu gehen, dass nichts passierte!

Zum Glück haben sich die Y2K-Ängste nicht bewahrheitet und man konnte an Silvester 2002 den Ausklang des „Jahr des Wassers“ feiern. Im Zusammenhang damit, präsentierte man einen überdimensionalen Eiswürfel, der mehr als 3,3 Tonnen schwer war und auf der Freyung bewundert werden konnte. Gestaltet hatte ihn der Villacher Eiskünstler Gert Hödl.

In der Silvesternacht 2004 standen die Zeichen auf Wohltätigkeit, denn in diesem Jahr hatte ein schwerer Tsunami Asien erschüttert. Man hatte auf dem ganzen Silvesterpfad über 25 Spendenboxen aufgestellt und im neuen Jahr konnten über 85.800 € gespendet werden.

Wir sind schon gespannt, was es dieses Jahr Aufregendes in Wien und am Wiener Rathausplatz zu Silvester geben wird!

Quellen:
Rathaus-Korrespondenz 1993
Rathaus-Korrespondenz 1994/1
Rathaus-Korrespondenz 1994/2
Rathaus-Korrespondenz 2000
Rathaus-Korrespondenz 2005
Rathaus-Korrespondenz 2016