Das Wiener Rathaus wurde von 1872 bis 1883 errichtet. Davor gab es natürlich auch ein Rathaus, nämlich in der Wipplingerstraße. Dieses wurde aber für die schnell wachsende Stadt Wien zu klein. Man unterschied die beiden Gebäude bis 1960 – also fast 80 Jahre lang – namentlich durch „Altes“ und „Neues“ Rathaus.
Als nach einem guten Standplatz für das Neue Rathaus gesucht wurde, gab es einige Streitereien zwischen der bürgerlichen Stadtverwaltung und der k.u.k. Regierung. Zuerst hatte man die Idee, das Neue Rathaus in die Nähe des Stadtparks zu bauen, doch die Stadtverwaltung konzentrierte sich bald auf einen ehemaligen Paradeplatz am Josefstädter Glacis.

Paradeplatz am Josefstädter Glacis, Militärparade anlässlich des 30. Geburtstages von Kaiser Franz Joseph am 18. August 1860.

Paradeplatz am Josefstädter Glacis, in Bildmitte das Militärgeographische Institut, dahinter die Piaristenkirche, links hinten die Altlerchenfelder Pfarrkirche. Militärparade anlässlich des 30. Geburtstages von Kaiser Franz Joseph am 18. August 1860.

Dort herrschte eigentlich Bauverbot, das von der k.u.k. Regierung erlassen worden war. Genau dieser Umstand war der Grund für den Wunsch der Stadtverwaltung, das Rathaus hierher zu bauen: Es ging darum, das erstarkende Selbstbewusstsein des Bürgertums gegenüber dem Kaiser zu demonstrieren.
Dank Bürgermeister Cajetan Felders Intervention, gelang dieses Kunststück sogar und das Rathaus wurde auf dem Paradeplatz am Josefstädter Glacis errichtet.

Postkarte mit dem Motiv des Wiener Rathauses.

Postkarte mit dem Motiv des Wiener Rathauses.

Der Rathauspark und Rathausplatz wurden ebenfalls auf dem Josefstädter Glacis errichtet und nehmen ca. 40.000 m2 ein. Die Parkanlage wurde vom Gartenkünstler Rudolph Siebeck im Juni 1873 fertiggestellt. Sie war also lange vor dem eigentlichen Rathausgebäude fertig!
Und heute wird dieses Areal für Kunst, Kultur und Kulinarik benutzt.

Quellen:
Wien.gv.at